Netz: Klassische Medien legen zu

Die Internetangebote der Verlage haben einen enormen Aufschwung genommen, erklärte der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen, bei der Eröffnung des Zeitungskongresses in Berlin. Die Websites der Zeitungen erreichten fast 40 Prozent der Internetnutzer, deren Zahl innerhalb eines Jahres von 14 auf 16 Millionen angestiegen sei. Die gedruckte Zeitung bleibe dennoch auf lange Sicht die Säule des Geschäfts, aber das Internet sei wichtiger Bestandteil der Zukunftsstrategie.

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten rief Heinen auf, die Expansionen im Internet zu stoppen. In der laufenden Kontroverse geht es um die Bedingungen, unter denen ARD und ZDF über ihren Rundfunkauftrag hinaus so genannte Telemedien im Internet verbreiten dürfen. Über die Nutzungszahlen der ARD- und ZDF-Online-Angebote existieren keine offiziellen Angaben. Laut einem Bericht von focus online ist die Reichweite des gebührenfinanzierten Web-Imperiums jedoch größer als vermutet. Der Dienst Google Ad Planner zeige, dass bei der Auswertung privater Nachrichtenportale und aller öffentlich-rechtlicher Websites ARD und ZDF insgesamt achtmal unter den Top 20 der meistgenutzten Angebote landen – mit den Seiten ard.de, zdf.de, tagesschau.de, wdr.de, daserste.de, br-online.de, swr.de und mdr.de. Laut Google Trends erreichen ard.de und zdf.de sogar dauerhaft mehr Nutzer als der Online-Auftritt der renommierten „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (faz.net).

Kein Wunder also, dass Heinen „eine drohende öffentlich-rechtliche elektronische Presse“ befürchtet. Die dürfe es seiner Ansicht nach genauso wenig geben, wie überregionale oder regionale gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Zeitungen. Noch im Oktober 2008 wollen die Ministerpräsidenten der Bundesländer den zwölften Rundfunkänderungsstaatsvertrag unterzeichnen, der regelt, was die öffentlich-rechtlichen Sender im Internet anbieten dürfen und was nicht. Auf die kontroversen Diskussionen rund um diesen Vertrag ging auch Bundeskanzlerin Merkel bei ihrer Rede auf dem Zeitungskongress näher ein.

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