oder: Texte redigieren in elf Schritten

von Katrin Mallener

Mal ganz ehrlich: Wie oft lesen Sie Flyer, Broschüren oder Online-Artikel und verstehen sofort, worum es geht? Nicht so oft? Und was machen Sie dann? Genau, Sie lesen etwas anderes. Es ist nicht schmeichelhaft, aber wahr: Unser Gehirn will vor allem eines – es möglichst einfach haben. Es vermeidet Mitdenken, Umdenken, Sich-etwas-Merken und Warten. Deswegen haben wir heute elf Tipps für Sie, wie Sie Ihre Unternehmenstexte so überarbeiten, dass das Gehirn Ihrer Leser wenig Arbeit hat (und nicht zum Text des Mitbewerbers abhaut).

Uns erreichen täglich bis zu 10.000 Botschaften. Da wenden wir uns sicher nicht ausgerechnet denen zu, für die wir uns anstrengen müssen. Und „anstrengend“, das sind schon lange Sätze, Warten auf ein Verb oder abstrakte Formulierungen.

So werden Texte leichter lesbar

#1 Lange Sätze kürzen

Kürzen Sie Sätze mit mehr als 14 Wörtern. Unwichtiges kann sowieso weg, alles andere teilen Sie auf mehrere Sätze auf.

Beispiel:
Der Grund, warum viele Menschen zu lange Sätze schreiben, ist, dass sie einfach an irgendeinem Punkt anfangen und von da aus den Satz bauen, statt sich zu überlegen, was wirklich wichtig ist.

Viele Menschen schreiben zu lange Sätze – weil sie nicht vorher nachdenken: Sie fangen einfach irgendwo an zu schreiben und bauen von da den Satz. Stattdessen sollten sie sich vorher überlegen, was wirklich wichtig ist.

#2 Lange Wörter ersetzen

Mehr als fünf Silben erträgt kein Auge: Formulieren Sie bei langen Wörtern lieber um oder setzen Sie einen Bindestrich.

Beispiel:
Textoptimierungstool

Tool zum Optimieren von Texten/Textoptimierungs-Tool

#3 Nominalstil vermeiden

Das ist der typische Bürokratenstil mit -ung, -heit, -keit, -ion & Co. Formulieren Sie das um, wann immer es geht. Oft werden dann längere Sätze mit Nebensätzen daraus, aber das ist lebendiger und viel leichter zu verstehen – vorausgesetzt Sie vergessen #1 nicht. Manchmal wird der Text dadurch auch konkreter (siehe #6)

Beispiel:
Zur Überprüfung der Kundenzufriedenheit setzen wir Beaufsichtigung ein.

Um sicherzustellen, dass unsere Kunden zufrieden sind, begleitet ein erfahrener Verkäufer unsere Azubis.

#4 Modalverben rausschmeißen

Das sind „können“, „müssen“, „sollen“, „dürfen“, „wollen“, „mögen“ – in den meisten Fällen brauchen Sie sie nicht und sie schwächen die Aussage. Also: weg damit!

Beispiel:
Wenn Sie Fragen haben sollten, können Sie sich gern an unser Team wenden.

Wenn Sie Fragen haben, melden Sie sich gern bei unserem Team.

#5 Passiv ersetzen

Passivkonstruktionen rauben dem Satz den Handelnden (oder sie verschleiern ihn) und sind umständlich. Verzichten Sie darauf, wo es nur geht, das schafft Klarheit und wirkt, logisch, aktiv.

Beispiel:
Durch die neu gestaltete Webseite wird den Besuchern die Orientierung erleichtert.

Wir haben unsere Webseite neu gestaltet – jetzt können sich unsere Besucher besser orientieren.

#6 Schachtelsätze auflösen und Prädikat nach vorne holen

Das Deutsche ist ein echter Profi darin, den Leser auf die Folter zu spannen: Wir dürfen Informationen in zig Ebenen verstecken und das allerwichtigste Wort des Satzes ans Ende stellen: das Prädikat. Damit weiß am Satzanfang kein Mensch, worum es eigentlich geht – denn die Tätigkeit fehlt. Und: Wichtige Dinge dürfen gerne am Anfang stehen.

Beispiel:
Die neue Technologie, mit der wir unsere Saugroboter austtatten, wenn die neue Kollektion kommt, lässt die Herzen von Technik-Freaks höher schlagen.

Eine neue Technologie für Saugroboter begeistert Technik-Freaks: Unsere nächste Kollektion saugt bereits damit.

#7 Abstrakte Sprache

Um nichts und niemanden auszuschließen, nehmen wir oft die abstrakteste Kategorie von etwas. Das ist auch nicht falsch: Wenn man Zettelberge, verpasste Termine und vergessene To-dos zusammenfassen will, ist „Bürochaos“ schon richtig. Nur: Fassen Sie es besser nicht zusammen. „Zettelberge, verpasste Termine und vergessene To-dos? Unser neues Tool räumt damit auf“ ist konkret, darunter kann sich das Gehirn sofort etwas vorstellen, es hat ein Bild – und das ist gut.

Typische Beispiele für das Gemeinte oder ein Spektrum mit konkreten Vertretern des einen und anderen Endes machen einen Sachverhalt greifbar. So wird aus „Haute Couture für kleine und große Haustiere“ dann „Haute Couture für alle – vom Hamster bis zur Deutschen Dogge“. Da bekommt das Gehirn des Lesers Spaß!

#8 Tote Verben

„Sich befinden“, „sich handeln um“, „aufweisen“, „erfolgen“, „durchführen“ und ähnliche Formulierungen sind abstrakte Varianten von einfachen Verben wie „sein“, „machen“ usw. Sehr oft können Sie diese Verben ersetzen. Wenn der Text dadurch konkreter wird, umso besser. Viele scheuen sich davor, weil wir im Deutschen gewöhnt sind, dass eine komplizierte Ausdrucksweise seriös ist und etwas Einfaches demnach unprofessionell. Aber ist es nicht professionell, es den Lesern leicht zu machen?

Beispiel:
Der Versand Ihrer Bestellung erfolgt nach ein bis zwei Tagen.

Wir schicken Ihnen Ihre Produkte ein bis zwei Tage nach der Bestellung.

#9 Fachsprache

Manchmal kann man sie nicht vermeiden. Aber oft genug bauen wir Fachbegriffe ein, die für den Leser völlig „totes Material“ sind – er kann sich dazu kein Bild machen. Vermeiden Sie generell Fremdwörter, wenn es schöne deutsche Wörter gibt!

Beispiel:
Die App RunCool steigert deine Selbstwirksamkeit.

Die App RunCool zeigt dir, dass dein Training etwas bewirkt – und das motiviert und steigert dein Selbstbewusstsein.

#10 negative Formulierungen

„Nicht“, „kein“, „-los“ und „un-“ kann das Gehirn nicht verarbeiten – es „merkt“ sich nur den Rest – also genau das, was nicht ist. Also besser positiv sein …

Beispiel:
Nach meinem Workshop haben Sie keine Probleme mehr mit Schachtelsätzen.

Nach meinem Workshop fällt es Ihnen leicht, auf Schachtelsätze zu verzichten. oder Nach meinem Workshop schreiben Sie ganz einfach verständlich.

#11 Rhythmus und Führung

Ihr Leser soll ab und zu mal innehalten, etwas Wichtiges wirklich wahrnehmen und er soll sich natürlich nicht langweilen. Für solche Stopps und Betonungen bieten sich Doppelpunkte und Gedankenstriche an.

Beispiel:
Wenn Sie schnelle, verständliche Tipps für Ihre Buchhaltung brauchen, rufen Sie uns an und wir unterstützen Sie noch dieses Jahr.

Sie brauchen schnelle Tipps für Ihre Buchhaltung – die wirklich verständlich sind? Dann rufen Sie uns an: Wir unterstützen Sie gerne – noch dieses Jahr.

Damit Texte Ihr Produkt verkaufen, gehört natürlich noch mehr dazu. Mit Texten, die der Leser gut aufnehmen kann, haben Sie aber schon viel gewonnen: seine Aufmerksamkeit.

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